Explanation
Wie Pferde innerhalb der Gruppe kommunizieren
In Pferdegruppen beschränkt sich soziale Kommunikation nicht auf Drohungen oder Auseinandersetzungen: Nähe und gegenseitige Fellpflege helfen, Bindungen aufzubauen und zu erhalten, während Toleranz und ambivalente Interaktionen eine einfache Deutung ihrer Beziehungen erschweren.
Ein Leben in Beziehungen
Pferde sind soziale Tiere, die meist in stabilen Gruppen leben und dauerhafte affiliative Bindungen eingehen. Die Übersichtsarbeit weist darauf hin, dass das Bedürfnis nach sozialer Interaktion auch bei Hauspferden fortbesteht, obwohl manche einzeln mit begrenztem Kontakt oder in Gruppen gehalten werden, deren Zusammensetzung sich regelmäßig ändert.
Nähe und gegenseitige Fellpflege
Nähe und gegenseitige Fellpflege sind Beispiele für affiliative Verhaltensweisen, die Bindungen aufbauen und erhalten können. Pferde zeigen außerdem eine Vorliebe dafür, sich bestimmten Artgenossen anzuschließen; Vertrautheit und Homophilie – die Tendenz, sich mit ähnlichen Individuen zusammenzutun – zählen zu den Faktoren, die mit diesen wechselseitigen Bindungen in Zusammenhang stehen.
Mehr als Annäherung oder Konflikt
Soziale Interaktionen können agonistisch, affiliativ, erkundend oder neutral sein. Die Übersichtsarbeit warnt davor, sie einfach in positiv und negativ einzuteilen, da dies ihrer Komplexität nicht gerecht wird. Sie beschreibt ambivalente Beziehungen und soziale Toleranz. Letztere wird als Nähe zu anderen Pferden im Umfeld wertvoller Ressourcen bei wenig oder gar keiner Aggression definiert; sie kann vom verfügbaren Platz und von sozialen Erfahrungen abhängen.
Was die Forschung zeigt – und was nicht
Die Übersichtsarbeit bündelte 27 Studien zum Sozialverhalten erwachsener Pferde mit Beobachtungen von 851 Pferden in Gruppen von 2 bis 33 Tieren. In den von diesen Arbeiten beschriebenen Verhaltensrepertoires waren 60 % der erfassten Verhaltensweisen agonistisch und 30 % affiliativ; die Artikel widmeten agonistischen Interaktionen jedoch einen größeren Anteil ihrer methodischen Aufmerksamkeit. Die Autoren weisen darauf hin, dass dieser Schwerpunkt im Gegensatz zur Seltenheit agonistischer Verhaltensweisen in stabilen Gruppen steht, und fordern Beobachtungsrepertoires, die affiliative, ambivalente und tolerante Interaktionen besser abbilden.
Verhalten im Kontext deuten
Ein einzelnes Verhalten reicht nicht aus, um eine Beziehung zusammenzufassen. Die Übersichtsarbeit schlägt vor, ein breiteres Repertoire an Interaktionen zu berücksichtigen und Aspekte wie Nähe, Häufigkeit und Dauer der Verhaltensweisen zu messen. So lassen sich die Dynamik zwischen einzelnen Tieren und die Gruppendynamik besser beschreiben, ohne sie auf ein einziges Signal oder einen einfachen Gegensatz zwischen Freundschaft und Konflikt zu reduzieren.
Quellen
- Equine Social Behaviour: Love, War and Tolerance - PMC - NIH · pmc.ncbi.nlm.nih.gov